Der Rücken schmerzt – Probleme mit dem Ischiasnerv?

Auf dem Bild sehen Sie die Körper Rückseite auf der die Wirbelsäule, die Bandscheiben, die Hüfte und die Muskulatur zu sehen ist und der Ischiasnerv verläuft.Rückenschmerzen gehören zu den häufigen Beschwerden. Im Laufe seines Lebens leidet fast jeder Erwachsene einmal daran. Die gute Nachricht: In 90% der Fälle von akuten Rückenschmerzen verschwindet der Schmerz wieder. Chronische Rückenschmerzen (länger als 6-12 Wochen dauerhafter Schmerz) kommen bei 10% der Fälle vor. Nur bei 0,05% der Patienten liegt eine ernsthafte Ursache vor wie am Ischiasnerv.

Symptome vom Ischiasnerv
Beim Hexenschuss (Lumbago) treten Schmerzen plötzlich oder allmählich im Bereich des unteren Rückens auf und verstärken sich bei bestimmten Aktivitäten. Nur manchmal strahlen sie auch in das Bein aus.

Wird beim Ischias der Ischiasnerv gereizt oder eingeklemmt, können sich Schmerzen, Kribbeln oder Taubheit entlang des Verlaufs dieses Nervs auch im Oberschenkel oder Fuß bemerkbar machen. Diese „ausstrahlenden“ Schmerzen sind nahezu charakteristisch. Zusätzlich zeigt sich oft eine Verstärkung des Schmerzes beim Husten, Schneuzen der Nase oder tiefen Einatmen.

Achtung!
Wenn zu Rückenschmerzen zusätzlich Symptome wie Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Lähmungserscheinungen der Beine, plötzliche Schwäche oder unwillkürlicher Abgang von Urin oder Stuhl auftreten, sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden!

Anatomie und Verlauf vom Ischiasnerv
Die Wirbelsäule sieht wie ein doppeltes „S“ aus. Zwischen den einzelnen Wirbelkörpern befinden sich die Bandscheiben, die wie Puffer oder Stoßdämpfer wirken.

Der Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) entspringt aus dem unteren Rückenmark im Bereich der letzten Lenden- bzw. ersten Kreuzwirbel unter Rücken. Im Gesäß zieht der Nerv durch das große Sitzbeinloch (Foramen ischiadicum majus) auf die Körpervorderseite, dann an dem Oberschenkels entlang in Richtung Kniekehle, wo sich die beiden Stränge des Ischiasnervs in einen Wadennerv (Nervus fibularis communis) und einen Schienbeinnerv (Nervus tibialis) auftrennen.

Ursachen
Eine Reizung des Ischiasnervs (Ischialgie) kann durch Verspannungen und Verhärtungen von Muskeln oder – seltener – durch einen Bandscheibenvorfall ausgelöst werden. Bei einem Bandscheibenvorfall wird ein Teil des gallertigen Kerns ausgepresst, der dadurch auf den austretenden Nerv drückt. Man spricht auch von einer Nervenwurzeleinklemmung (Radikulopathie). Wird der Nerv dauerhaft eingeklemmt, kann es zu chronischen Schmerzen kommen.

Weitere Ursachen von chronischen Ischiasschmerzen sind gutartige Tumoren (Fibroide, Myome), bösartige Tumoren sowie Endometriose (Inseln von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter).

Risikogruppen
Gefährdet sind einerseits Menschen mit starken Belastungen im Alltagsleben: Dies betrifft sowohl körperliche (Maurer, Steinsetzer, Möbel- und andere Lastenträger, Landwirte, Waldarbeiter sowie Beschäftigte in der Kranken-, Alten- und Behindertenpflege) als auch psychische Belastungen (Stress). Andererseits gibt es aber auch einen hohen Prozentsatz, der Ischiasprobleme aufgrund von andauernder, sitzender Bürotätigkeit und mangelnder Aktivität entwickelt. Rauchen und Übergewicht sind dabei zusätzliche fördernde Faktoren.

Auch besondere Lebensphasen bergen ein höheres Risiko: 50% – 70% der schwangeren Frauen leiden an Rückenschmerzen. Eine Ischialgie mit einem Schmerz, der ins Bein ausstrahlt, kann sich vor allem in Rückenlage entwickeln, wenn in der fortgeschrittenen Schwangerschaft der Fetus durch sein Gewicht auf Nervenwurzeln drückt. Die Gefahr eines Bandscheibenvorfalls vor oder nach einer Geburt liegt jedoch nur bei 0,01%.

Reizungen des Ischiasnervs können auch durch eine Epidural-Anästhesie oder während einer verlängerten Geburtsphase erfolgen (Steißlage etc.).

Diagnostik Ischiadicus
Zunächst wird mithilfe der Vorgeschichte (Anamnese) und einer gründlichen körperlichen Untersuchung eine Diagnose gestellt. Häufig wird dabei der Lasègue-Test verwendet: Dabei liegt der Patient in Rückenlage, während der Arzt das gestreckte Bein langsam anhebt. Treten bei einem Winkel bis zu 45° Schmerzen auf, ist dies ein deutliches Zeichen für eine Beteiligung des Ischiasnervs, da dieser durch die Prozedur gedehnt und dadurch die Wurzel des Nervs erneut gereizt wird.

Auf Röntgenbilder kann bei einfachen Ischiasproblemen in der Regel verzichtet werden.

Behandlungsmöglichkeiten von Nerven bzw. dem Ischiasnerv
Experten sind sich einig: Bei Ischias ist Bewegung die beste Therapie! Denn wird der Rücken geschont, kommt es in der Folge unweigerlich zu Fehlhaltungen und weiteren Verspannungen. Ein Teufelskreis beginnt.

Gehen, Radfahren, Schwimmen: Jegliche leichte Bewegung dient dazu, die Muskeln zu entspannen, sodass vorhandene Verhärtungen zurückgehen.

In der Anfangsphase wird von manchen Patienten eine Kälteanwendung oft als angenehm empfunden. Viele Menschen suchen jedoch Wärmereize (Sauna, heißes Bad, Rotlichtlampe, Fango etc.), da dies eine besonders entspannende Wirkung auf die Muskeln hat.

Gerade zu Beginn einer unkomplizierten Erkrankung empfehlen Mediziner häufig zur Überbrückung die kurzzeitige Einnahme von Schmerzmitteln, um die Schmerzen zu lindern und eine normale Bewegung zu fördern, damit es nicht zu weiteren Fehlhaltungen und Muskelverspannungen kommt.

Mit Homöopathie lässt sich häufig eine deutliche und schnelle Verbesserung der Schmerzsymptomatik erreichen. Allerdings bedarf es dabei im Allgemeinen der Unterstützung durch den geschulten Homöopathen (Arzt, Heilpraktiker), um ein für die jeweilige Schmerzsymptomatik passendes Arzneimittel auszusuchen.

Krankengymnastik ist vor allem zu empfehlen, um Fehlhaltungen zu mildern, „richtige“ Haltungen einzuüben und somit die Ursache zu bekämpfen. Massagen, Osteopathie oder Chiropraktik können im Einzelfall bei nicht ausstrahlenden Rückenschmerzen ebenfalls sinnvoll sein.

Über die Wirkung von Akupunktur bei Rückenschmerzen gibt es unterschiedliche Erfahrungen und Studien, die teils positive, teils keine Effekte belegen.

Oft kommen nach einem Bandscheibenvorfall Rücken oder Ischiasschmerzen vor. Betroffenen bereichten oft über Hüft druck oder ziehen im Fuß. Spätestens dann sollten Sie eine Therapie beginnen.